In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
SENSE / MAKING
A Multisensory Laboratory
Gestaltung wird noch immer vor allem visuell gedacht. Dabei entsteht unsere Beziehung zu Materialien, Räumen und anderen Menschen zu großen Teilen über körperliche, sinnliche Wahrnehmung – unmittelbar, situativ, durchzogen von Erinnerung und kulturellen Prägungen. Welche Formen von Wissen entstehen im Zusammenspiel von Körper, Material und Wahrnehmung? Und wie lässt sich sinnliche Erfahrung in Material, Handlung, Raum oder soziale Praxis übersetzen?
Von dieser Wahrnehmung geht SENSE / MAKING aus. Sense Making meint hier gleichermaßen Wahrnehmen, Bedeutungsbildung und gestalterische Praxis. Es geht darum, wie Materialien über sinnliche Erfahrung Wissen, Erinnerungen und Assoziationen erzeugen – und wie sich diese oft flüchtigen, schwer in Worte zu fassenden Erfahrungen untersuchen, übersetzen und in Gestaltung überführen lassen. Geruch und Geschmack sind dabei zentrale, aber nicht die einzigen Forschungsfelder: Ihre enge Verbindung zu Erinnerung und Biografie, ihre Einbettung in Rituale und kulturelle Praktiken machen besonders greifbar, wie sinnliche Erfahrung zu Kommunikation und Wissensproduktion werden kann.
Das Semester ist als multisensorisches Labor angelegt. Materialien, Situationen und Wahrnehmungsprozesse werden gesammelt, beobachtet, analysiert, manipuliert und neu zusammengesetzt. Ausgangspunkte können persönliche Erinnerungen sein, aber genauso alltägliche Rituale, Orte, Lebensmittel, Textilien, Gerüche, Geräusche oder soziale Begegnungen. Neben materialbasierten Experimenten gehören Tastings, Interviews, sensorische Protokolle, Mapping, Feldforschung, Audio, Text, performative Versuchsanordnungen oder spekulative Szenarien zu den Recherchemethoden.
Ein zentraler Teil des Projekts sind Gatherings: Gemeinsam mit eingeladenen Künstler:innen, Designer:innen und weiteren Expert:innen untersuchen wir unterschiedliche Formen multisensorischer Praxis. Talks, gemeinsame Mahlzeiten, Experimente und Gespräche sind dabei nicht bloß Vermittlungsformen, sondern selbst Forschungssettings – was entsteht, wenn Wissen nicht nur über Sprache und Bilder, sondern durch Geruch, Geschmack, Berührung, Atmosphäre und gemeinsames Erleben vermittelt wird? Welche Rolle spielen dabei Gastfreundschaft, Ritual, Choreografie, die Gestaltung einer Situation als solche?
Aus den Recherchen entwickeln die Studierenden eigene Fragestellungen und individuelle oder kollaborative künstlerisch-gestalterische Positionen. Die Ergebnisse können materiell, textil, räumlich, performativ oder partizipativ sein – entscheidend ist weniger das Medium als die Frage, wie Wahrnehmung gestaltet, vermittelt und geteilt werden kann und welche Rolle Material dabei spielt.
Parallel entsteht über das Semester eine gemeinsame Publikation als kollektives Forschungs- und Reflexionsformat. Beobachtungen, Experimente, Gespräche und unterschiedliche Formen der Aufzeichnung werden fortlaufend gesammelt, diskutiert und redaktionell weiterentwickelt. Die Publikation bringt individuelle und gemeinsame Erkenntnisse zusammen und fragt zugleich, wie sich multisensorische Erfahrung in ein greifbares Format übersetzen lässt, ohne ihre Vielschichtigkeit auf Text und Bild zu reduzieren.
Dabei rückt zunehmend die gesellschaftliche Dimension des Wahrnehmens in den Blick: Wie kann multisensorische Erfahrung Begegnung ermöglichen, Erinnerungen aktivieren, unterschiedliche Perspektiven zugänglich machen? Und was, wenn Gestaltung nicht primär als Produktion von Objekten verstanden wird, sondern als Gestaltung von Beziehungen, Erfahrungen und Situationen?
SENSE / MAKING lädt dazu ein, die Hierarchie der Sinne zu hinterfragen und Gestaltung jenseits des Visuellen zu erforschen – zwischen Material und Körper, Erinnerung und Atmosphäre, individueller Erfahrung und gemeinschaftlicher Praxis.
Textil- und Material-Design
Entwurfsprojekt
Wintersemester 2026 / 2027
Montag, 09:45 – 16:45
Dienstag, 09:45 – 16:45
13.10.2026
Endpräsentation & Dokumentation
A 2.01
Februar 2032