In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Entwurf und Gestaltung sind keine unerklärlich-genialen Schöpfungsakte, sondern dynamische Prozesse, zu denen die Auseinandersetzung mit einer komplexen Realität und die soziale Aushandlung, was wünschenswert ist, gehören. Sie beruhen auf Techniken, Praktiken und Regeln, die zwar oft implizit bleiben aber doch im Designstudium praktisch eingeübt und reflektiert werden. Und sie bedienen sich an Werkzeugen, Denk- und Darstellungsmedien, deren Potenziale sich mit der technologischen Entwicklung verändern. Diese Verfahren und Werkzeuge sind nicht neutral, sondern prägen den Entwurfsprozess und seine Ergebnisse mit ihrer technischen und medialen Eigenlogik. Zugleich unterliegen sie historischen Veränderungen und sind stets in kulturelle, soziale, ökonomische und politische Zusammenhänge eingebettet.
Das Seminar fragt, wie KI-Werkzeuge durch ihre Eigenlogik die Logik und Struktur von Entwurfsprozessen im Design verändern. Zunächst diskutieren wir ausgehend von Theorien des Entwerfens welche Rolle Konzepte wie Planung, Argument, Reflexion, Handwerk, Making aber auch die Komplexität des Problems, das ‚Aufbegehren‘ der Sache und die Eigenkräfte der Materie im Entwurfsprozess spielen. Dann beschäftigen wir uns mit der Funktionsweise und den technischen Grundlagen verschiedener Formen des maschinellen Lernens und neuronaler Netze. Anschließend untersuchen wir, wie KI als Antizipationsmaschine einzelne Elemente des Entwurfsprozesses augmentieren oder automatisieren kann und wie intelligente Systeme die User Experience digitaler Produkte verändern. Wir diskutieren, wie KI die Gestaltungstätigkeit vom Produzieren zum Kuratieren verschiebt, warum sich das Prompten oft wie Glücksspiel anfühlt und der Arbeitsaufwand zu Prä- und Postproduktion verschoben wird. Wir betrachten die Problematik von KI-Visualisierungen als Black Boxes, in denen Designentscheidungen nicht mehr nachvollziehbar sind, wie eine Ästhetik des Hyperdurchschnitts das Merkwürdige und Unvorhersehbare im Entwurfsprozess eliminiert und welche Biases und Limitationen maschinell entworfene Zukünfte aufweisen. Dabei reflektieren wir auch die Neubestimmung von Konzepten wie implizites Wissen, Materialität, Experiment, Reflexion, Imagination, Kreativität und Autorschaft, die das Nachdenken über Entwurfsprozesse traditionell prägen.
Teil des Seminars ist eine Kooperation mit dem Entwurfsprojekt Eight Days a Week von Prof. Aeneas Stankowski im Rahmen des Designing AI Lab der UdK. (https://produktdesign.udk-berlin.de/lehrangebot/8dpw/)) Dazu finden zwei gemeinsame Veranstaltungen statt, eine an der UdK und eine in Weißensee. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie generative KI die Zeitlichkeit von Gestaltungsprozessen und die Zeiterfahrung beim Entwerfen verändert.
Das Seminar bietet zugleich Anlass, über die Bedeutung von Schreibprozessen und textueller Autorschaft für Designer*innen nachzudenken. Zur Seminarleistung gehören mehrere kürzere Schreibaufgaben (ca. eine Seite), die im Vorfeld einzelner Sitzungen entstehen und als Grundlage für die gemeinsame Diskussion dienen. Diese Texte können anschließend zu einer schriftlichen Hausarbeit zusammengestellt werden.
Theorie und Geschichte
Designtheorie
Wintersemester 2026 / 2027
Donnerstag, 16:15 – 17:45
22.10.2026
Mart-Stam-Raum
Februar 2032