Incom ist die Kommunikations-Plattform der weißensee kunsthochschule berlin

In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre

Incom ist die Kommunikations-Plattform der weißensee kunsthochschule berlin mehr erfahren

Penthesilea mag nicht mehr

nur für Incom-Mitglieder

Donnerstags 10.00h - 13.00h, Mart Stam Raum (Ausnahmen bitte beachten)

Die Kunsthistorikerin Cillie Rentmeister nannte die Anfangsjahre der 2. Frauenbewegung „die amazonische, die radikale Zeit“. Die Doppelaxt war (in bestimmten Kreisen) ein beliebter Kettenanhänger, Matriarchatsforschungen standen auf den universitären Lehrplänen, feministische Re-Lektüren der „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist passten in die neue Aufbruchszeit der Patriarchatskritik, Frauen-Selbstverteidigungsworkshops florierten.

Kleist wollte, dass das Amazonenheer das kriegerische Freund-Feid-Schema durcheinanderbringt und die Liebe zum Identitätswirrwarr führt. Heute schreibt Nino Haratischwili den kleistschen Stoff über die Amazonenkriegerin und ihre Liebe zum Griechenheros Achill in ein Anti-Kriegsdrama um. In unserer Zeit, in der eine beträchtliche Anzahl von Männern in terroristischen Milizen und chauvinistischen Armeen ihren Lebensunterhalt verdienen, mag ihr kriegsmüder Achill ein umstürzlerisches Männlichkeitsbild sein. Zugleich aber sind bewaffnete Frauenheere zur Verteidigung von Staatsutopien wie Rojava immer noch eine Notwendigkeit. Für welchen Widerstand also könnte diese gleichfalls ermattete Penthesilea stehen?

Gestützt auf die Frage von Caroline O. Jebsen, ob die Kardashian-Frauen eine feministische Kampftruppe seien, befassen sich Mateja Meded und Thomas Köck in ihrem Theaterstück „Keeping up with the Penthesileas“ mit dem weißen und neoliberalen Feminismus und zeigen, dass Patriarchat und Feminismus nichts mit „dem Mann“ und „der Frau“ zu tun haben, sondern mit Politik und Machtstrukturen.

Und dann gibt es da noch „Woman King“, ein Historienfilm von 2022 (der anti-kolonialistisch sein möchte) über das Königreich Dahomey (17.-19.Jh u.Z.), das über Frauen-Regimenter verfügte, und der den Amazonenmythos wieder aufleben lässt – also die (Neu)Erfindung einer alten Sehnsucht nach der Frauenmacht?

All dies sind Aspekte, die in dem Seminar besprochen und angeschaut werden sollen. Selbstverständlich gehören dazu auch die Brüste der Amazonen, wollen es doch die antiken Fake-News, dass sie verstümmelt gewesen sein sollen – für Anja Zimmermann die bildliche Umschreibung der Schreckensvision von der Weibermacht – deren Wirkung bis heute reicht?

Falls es im Mai oder Juni eine Aufführung von Nino Haratischwilis Stück im Deutschen Theater gibt, ist ein gemeinsamer Besuch vorgesehen.

Zeitplan:

18.4.: Einführung

25.4.: Woman King, USA 2022, Regie: Gina Prince-Bythewood

„Ich hoffe, dass Frauen den Kriegergeist des Films verinnerlichen und lernen, dass sie die

Macht haben, das Narrativ zu ändern. Ich hoffe, dass sie risikofreudiger werden.“ (Viola Davis)

2.5.: „Ungeregelte Staatswesen“ (G.W.F. Hegel):

Das Königreich Dahomey / Matriarchate

10.5. Ganztägig: „Daß sie vor Liebe gleich ihn essen könnte“:

10.00h - 13.00h Aula: Edith Clever spielt den ganzen Kleist und Hans Jürgen Syberberg filmt sie dabei (1988)

14.00 - 17.00h Prof.Mensa: Die Konstruktion der Geschlechter in Kleists Penthesilea und weiter kritische Auseinandersetzungen

11.5. Ganztägig 10.00 - 16.00h Aula: 

Nino Haratischwilis Umschreibungen des Penthesilea-Stoffs

Bewaffnete Frauen – Krieger*innen, Kämpfer*innen, Soldat*innen

16.5.: Safe the world with feminism – oder “Keeping up with the Penthesileas”(Regie: Anna Marboe, ein Stück von Mateja Meded und Thomas Köck (2024), eine Aufzeichnung des Kosmos-Theaters Wien

23.5.: Abschluss

Fachgruppe

Theorie und Geschichte

Theorien Visueller Kulturen

Semester

Sommersemester 2024

Wann

Donnerstag, 10:00 – 13:00

Erster Termin

16.05.2024

Prüfungsleistung

Referat, Handout / Hausarbeit

Raum

Mart Stam Raum G 1.01

Lehrende