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Care und Kompost: Von Interspecies-Garten-Gemeinschaften

öffentlich

Das Seminar »Care und Kompost« führt uns in den Garten. Ein Ort, der dazu geeignet scheint, die Frage zu verhandeln, wie wir in Zukunft in Gemeinschaften zusammenleben wollen, die mehr als menschlich sind. Der Garten ist nicht nur ein Sehnsuchtsort SUV-fahrender-Landlust-Leser*innen, völkischer Siedler*innen und sich-selbstversorgender Klimaaktivist*innen. Auch Künstler*innen und Kurator*innen haben den Garten in den vergangenen Jahren wiederentdeckt, beforscht und bepflanzt – nicht zuletzt um auf die Verstrickungen zwischen den multiplen Krisen rund um Care und Klima im gegenwärtigen Zeitalter des späten Kapitalismus aufmerksam zu machen.

Gleichzeitig wird auch eine literarisch-theoretische Tradition kompostiert, die das Gärtnern in die Nähe von widerständigen Praktiken rückt: Von der Nature-Writing-Literatur (Henry Thoreau), bis hin zu Autoritarismus-Kritiker*innen (George Orwell), von queer-feministischen Gärtner*innen (Eva von Redecker) bis hin zu Kulturphilosophen (jüngst Byung Chul Han) gibt es eine Riege widerständiger Gärtner*innen, die nach neuen Formen des Zusammenlebens suchen.

Diese Tradition ist (auch) in einer queer-feministischen Kapitalismuskritik verwurzelt. Spätestens seit dem Rio-Gipfel von 1992 haben queer-feministische Aktivist*innen stetig wiederholt, dass die Ausbeutung der Natur und die überwiegend weiblich verrichtete und unbezahlte Reproduktionsarbeit die Voraussetzung für das Funktionieren der kapitalistischen Produktionsweise darstellen. In diesem Kontext argumentieren Maria Mies oder auch Silvia Federici seit den 1970er Jahren vehement, dass die kapitalistischen Wachstums- und Mehrwertproduktion auf der erfundenen Binarität von Natur und Kultur aufbauen.

Ganz konkret werden diese Zusammenhänge mit einem Blick in die Geschichte des Gartens, die nicht nur eng mit den Machtrepräsentationen von Großgrundbesitzern zusammenhängt, sondern anhand derer sich auch die koloniale Ausbeutungsmechanismen (etwa in der Plantagenarbeit, oder in der Aneignung von Pflanzen) deutlich zeigen. Künstler*innenkollektive, wie das Institute of Queer Ecology (IQECO) und Theoretiker*innen, wie Donna Haraway, fragen vor diesem Hintergrund: Welche symbiotischen und transformativen Formen des Gärtnerns sind möglich, welche sind nötig? Welche Gärten entwerfen die Künste, um zukünftige Formen des Zusammenlebens zu probieren? Und: Wie ist Zusammenleben mit unterschiedlichen Spezies möglich?

Im Seminar diskutieren wir diese Fragen anhand der theoretischen Gärten und Felder von Hélène Cixous, Silvia Federici und Robin Wall Kimmerer. Wir streifen die künstlerischen Gärten von Ella von der Haide, Antje Majewski, Andrea Büttner, Kim de l’Horizon, und Mohamed Bourouissa und durchque(e)ren die Prinzessinnengärten und Kleingartenanlagen der Stadt.

Fachgruppe

Theorie und Geschichte

Kunstwissenschaft

Semester

Wintersemester 2023 / 2024

Wann

Dienstag, 14:00 – 18:00

Erster Termin

24.10.2023

Raum

Prof*Mensa

Lehrende